„Unfallursachen ermitteln – das ist Detektivarbeit“

Berlin, 14. Mai 2009 – Deutschlands Unfallkommissionen (UK) sorgen dafür, dass viele Crashs gar nicht erst passieren. Christiane Krumbholz, Leiterin der UK Bielefeld, erzählt, wie die „Lebensretter vom Amt“ Gefahrenquellen aufspüren und entschärfen.

Frau Krumbholz, wenn sich ein Unfall mit Todesfolge auf einer Bielefelder Straße ereignet, nimmt die Polizei ihn auf. Wie kommt die Unfallkommission ins Spiel?
Sobald der Unfallbericht der Polizei fertig ist, leiten die Beamten ihn an die Straßenverkehrsbehörde weiter. Wir untersuchen dann, zusammen mit anderen Fachleuten, welche Ursachen zu dem tödlichen Unfall geführt haben. Wenn sich die Straße offensichtlich verbessern lässt, wird das auch so schnell wie möglich gemacht. Das Gremium Unfallkommission kommt aber grundsätzlich erst dann ins Spiel, wenn es sich um eine Unfallhäufungsstelle handelt.

Was genau ist denn eine Unfallhäufungsstelle?
Ein Punkt, an dem innerhalb einer bestimmten Zeit mehrere gleichartige Unfälle passiert sind. Für Nordrhein-Westfalen gilt die Regel: Wenn sich an einer Stelle innerhalb eines Jahres mindestens drei vergleichbare Unfälle mit schwerem Personen- oder Sachschaden ereignen, dann muss der Fall in der Unfallkommission aufgerollt werden. Es gibt auch Betrachtungen über einen längeren Zeitraum, die zu einer Behandlung in der Unfallkommission führen können.

Wie kann die Unfallkommission Bielefelds Straßen sicherer machen?
Die Faktoren für Verkehrssicherheit sind vielfältig: Dazu gehören die Verkehrsregelung mit Schildern, Markierungen und Ampeln oder die bauliche Gestaltung einer Straße mit Hilfe von Fahrbahneinengungen, Querungshilfen oder Kreisverkehren. Auch die Verkehrsüberwachung wird gezielt für die Unfallbekämpfung eingesetzt.

Unangepasste Geschwindigkeit ist die häufigste Ursache bei Unfällen mit Todesfolge auf deutschen Straßen. An welchen Stellen sind die Folgen von zu schnellem Fahren besonders gravierend?
In den letzten Jahren hatten wir besonders schlimme Unfälle infolge von Geschwindigkeitsübertretungen in lang gezogenen Kurvenbereichen. Aber auch Haupteinfallstraßen, die ja eigentlich sehr gerade sind, sind Menschen zum Verhängnis geworden – sie haben nicht genügend Sicherheitsabstand eingehalten.

Bitte berichten Sie uns von einem konkreten Fall aus Ihrer Praxis, in dem nicht angepasste Geschwindigkeit an ein und demselben Straßenabschnitt immer wieder zu Unfällen geführt hat. Was hat die Unfallkommission unternommen?
Eine Kurve auf der Talbrückenstraße in Bielefeld hatte sich nach der Sanierung der Straße zu einem Unfallpunkt entwickelt. Fast jedes Wochenende passierten hier schwere Unfälle, bei denen Fahrzeuge sogar mehrmals mit überhöhter Geschwindigkeit aus der Kurve über den Gehweg an einer Bushaltestelle bis in den Vorgarten eines Wohnhauses schleuderten. Es war ein glücklicher Zufall, dass dort keine Jugendlichen, die auf den Bus warteten, oder keine Bewohner des Hauses verletzt wurden. Die Unfallkommission hat deshalb kurzfristig die Aufstellung einer stationären Geschwindigkeitsüberwachungsanlage, eines „Starenkastens“, beschlossen. Die Verkehrsteilnehmer fahren hier nun langsamer und damit ist der Unfallpunkt beseitigt.

Was machen Sie, wenn die Gefahren nicht so schnell zu erkennen sind?
Oftmals müssen wir richtig Detektivarbeit leisten, um die Unfallursachen zu ermitteln. Deshalb wird auch jeder Unfallpunkt vor der Unfallkommissionssitzung von den beteiligten Behörden vor Ort persönlich „unter die Lupe“ genommen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen verschaffen sich so einen Überblick über die Verkehrsströme, die Verhaltensweisen der Verkehrsteilnehmer und gegebenenfalls über besondere Bedingungen an diesem Unfallpunkt: Fällt die Sonne hier ungünstig ein und blendet die Fahrer? Beschränkt ein Busch die Sicht? Ist die Beschilderung nicht eindeutig?

Christiane Krumbholz ist seit 1997 Leiterin der Straßenverkehrsbehörde Bielefeld und damit auch Geschäftsführerin der örtlichen Unfallkommission.

Die UK Bielefeld setzt sich aus der Straßenverkehrsbehörde, dem Verkehrskommissariat der Polizei, dem Landesbetrieb Straßenbau NRW, der Verkehrslenkung und Verkehrswegeplanung und der Bezirksregierung Detmold zusammen. Bei Bedarf werden weitere Institutionen hinzugezogen.

Quelle: Runter vom Gas!

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