„Deutschland ist Weltmeister bei der Unfallbekämpfung“

Berlin, 14. Mai 2009 – Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) unterstützt seit Jahren die Arbeit deutscher Unfallkommissionen (UK). Sabine Degener von der UDV erklärt, weshalb sich dieses Engagement lohnt und warum die deutsche Unfallbekämpfung weltweit einzigartig ist.

Frau Degener, warum setzt sich die Unfallforschung der Versicherer (UDV) so für die Unfallkommissionen in Deutschland ein?
Die Unfallkommission ist zurzeit die herausragende Institution in Deutschland, die straff organisiert vor Ort effektiv zur Vermeidung von Unfällen beitragen kann. Darum ist es uns so wichtig, diese Arbeit zu unterstützen. Außerdem wird ihr Stellenwert von der Öffentlichkeit derzeit noch viel zu wenig wahrgenommen. Um dies zu ändern, loben der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) den Sicherheitspreis „Die Unfallkommission“ aus. Mit dieser Ehrung wird jährlich die erfolgreichste Maßnahme zur Unfallvermeidung ausgezeichnet.

Mit welchen anderen Maßnahmen, neben dem Sicherheitspreis, fördern Sie die Arbeit der Unfallkommissionen?
Wir unterstützen die Bundesländer vor allem durch Qualifizierungsmaßnahmen. Dafür bilden wir zentral Dozenten aus, die wiederum Unfallkommissionen in ihrem eigenen Bundesland schulen und fortbilden. Darüber hinaus entwickeln wir Ausbildungs- und Arbeitsmaterialien, welche von den Unfallkommissionen genutzt werden können.

Lohnt sich diese Investition? Ist der Erfolg von Unfallkommissionen messbar?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, aber vielleicht helfen folgende Eckdaten: In Deutschland entsteht jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von circa 20 Milliarden Euro durch Straßenverkehrsunfälle. Auf der anderen Seite wissen wir, dass bis zu 30 Prozent dieser Unfälle an Unfallhäufungen geschehen. Durch Maßnahmen der Unfallkommissionen können bis zu 80 Prozent – ein Restrisiko bleibt leider immer – der Unfälle an solchen Gefahrenschwerpunkten verhindert werden. Betrachtet man diese Zahlen, kann man sich ausrechnen, dass die Arbeit der Unfallkommissionen einen hohen Nutzen für die Volkswirtschaft bringt. Natürlich stehen aber die Menschenleben, die durch die Maßnahmen gerettet werden können, im Vordergrund.

In Deutschland gibt es rund 500 Unfallkommissionen. Gibt es ein vergleichbares Instrument der Verkehrssicherheit auch in anderen Ländern?
In punkto Unfallbekämpfung ist Deutschland Organisations-Weltmeister. Natürlich werden auch in anderen Ländern Unfallhäufungsstellen bekämpft. In ihrer organisatorischen, interdisziplinären Struktur sind deutsche Unfallkommissionen im internationalen Vergleich aber einzigartig. Wir bekommen auch immer wieder Anfragen, beispielsweise aus Estland, China oder Australien, zu unseren Informationsmaterialien und unserer Arbeitsweise im Allgemeinen. Und dem kroatischen Verkehrsministerium hat unser Merkblatt zur Auswertung von Unfällen so gut gefallen, dass sie es ins kroatische übersetzen ließen und jetzt selbst anwenden.

Gibt es trotz des Erfolgs auch Dinge, die man an deutschen Unfallkommissionen noch weiter verbessern könnte?

Bei der Qualifizierung könnte nachgebessert werden: Jedes Bundesland sollte an die Grundausbildung der Unfallkommissionsmitglieder auch regelmäßige Fortbildungen anschließen – und da hapert es noch sehr. Ein weiteres Problem ist die Finanzierung. Oft geht ein langwieriger und schwieriger politischer Prozess voraus, ehe die Baulastträger eine dringend benötigte Maßnahme genehmigen. Außerdem sind die UK-Mitglieder einer sehr starken Fluktuation in den eigenen Ämtern unterworfen, wechseln also oft den Posten. Eine stringente Arbeit mit bestimmten Mitarbeitern, die sich über die Zeit ein gewisses Know-how aneignen, ist darum oft nicht möglich. Die UDV will mit ihrer Unterstützung auch erreichen, dass diese Probleme gelöst werden und Unfallkommissionen in Zukunft noch bessere Ergebnisse erzielen können.

Dipl.-Ing. Sabine Degener ist Leiterin des Fachbereiches Verkehrsverhalten und -pädagogik bei der Unfallforschung der Versicherer (UDV) und u.a. zuständige Ansprechpartnerin für das Themenfeld „Unfallkommission“.

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV)  im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) forscht und berät seit über 50 Jahren im Dienste der Verbesserung der Sicherheit und der Unfallvermeidung auf Deutschlands Straßen. Sie ist gleichzeitig einer der größten Auftraggeber für universitäre und außeruniversitäre Verkehrssicherheitsforschung. 

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit Sitz in Berlin ist die Dachorganisation der privaten Versicherer in Deutschland.

Quelle: Runter vom Gas!

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