Unfallkommissionen – Die unbekannten Lebensretter

Berlin, 1. Juli 2009 –

Die rund 500 Unfallkommissionen in Deutschland retten Jahr für Jahr Menschenleben – ohne in die Schlagzeilen zu kommen. Denn mit ihrer Arbeit sorgen die „interdisziplinären Eingreiftruppen“ dafür, dass so mancher Verkehrsunfall gar nicht erst passiert.

Ein Busch ist nur wenige Zentimeter zu hoch gewachsen und versperrt nun die Sicht auf die Kreuzung. Der leicht zerbröckelte Asphalt bringt Motorradfahrer in lebensgefährliches Schlingern. Oder eine uneindeutige Beschilderung führt ortsfremde Autofahrer in die Irre. Selbst die verstecktesten Gefahrenquellen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unfallkommissionen aufspüren. Denn fest steht: Schon die kleinsten Mängel in der Straßengestaltung oder Verkehrsregelung können schwere Unfälle zur Folge haben.

In Unfallkommissionen arbeiten ausgewiesene Experten aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um diese wichtige Aufgabe zu erledigen. Vertreter von Polizei, Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden ergänzen gegenseitig ihr Fachwissen. Falls erforderlich, zieht die „interdisziplinäre Eingreiftruppe“ weitere Institutionen wie Schulen, Stadtplanungsämter oder Verkehrsbetriebe zu Rate.

Wo sich Unfälle häufen, suchen die UK nach Lösungen

Im bundesweiten Straßennetz gibt es zahlreiche Stellen, an denen es regelmäßig zu Crashs kommt, sogenannte Unfallhäufungsstellen. Aus scheinbar unerklärlichen Gründen kracht es etwa an einer Kreuzung häufiger als an anderen. Oder eine scharfe Kurve wird Motorradfahrern immer wieder zum Verhängnis. Aufgabe der Unfallkommission ist es, solche Gefahrenstellen zu ermitteln und durch geeignete Maßnahmen zu entschärfen. Diese reichen von einer neuen Beschilderung bis hin zu baulichen Veränderungen.

Unfalltypen-Karten entlarven Gefahrenstellen

Um herauszufinden, wo Gefahrenschwerpunkte sind, werden laufend manuelle oder elektronische „Unfalltypen-Karten“ geführt. Die Polizei markiert auf diesen Karten genau den Punkt, an dem sich ein Unfall ereignet hat. Je nach Unfalltyp und Unfallschwere werden unterschiedliche Farben und Kreisgrößen verwendet. So können Stellen, an denen verdächtig viele Unfälle passieren, auf einen Blick erkannt werden.
Die aufbereiteten Unterlagen werden in regelmäßigen Abständen in den zuständigen Unfallkommissionen beraten. Crashs mit Todesfolge untersuchen sie hingegen immer sofort: Sind Schilder defekt oder verdeckt? Wird die Sicht auf Einmündungen oder Kreuzungen blockiert? Kann etwas verbessert werden, ordnet die Unfallkommission es an.

Kleine Maßnahmen, große Wirkung

Durch die Entscheidungen der Kommissionen wird ein Großteil der Unfallhäufungsstellen entschärft. Dass sich die Maßnahmen lohnen, zeigt sich auch bei der Kosten-Nutzen-Analyse: Nach Schätzungen des UDV Unfallforschung der Versicherer entsteht durch Unfallhäufungen jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund fünf Milliarden Euro. Durch oft simple Maßnahmen wie ein Warnschild an der richtigen Stelle können Tausende von Euro gespart werden. Die Hauptsache ist aber: Sie retten Leben.

Quelle: Runter vom Gas!

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