Tiefenanalyse des Polizeipräsidiums des Landes Brandenburg zu den Verkehrsunfällen mit Todesfolge in den Jahren 2013/2014

Potsdam, 24. Juli 2015 – Verkehrsexperten im Polizeipräsidium des Landes Brandenburg führten in den vergangenen sechs Monaten eine umfassende Tiefenanalyse zu den Verkehrsunfällen mit Todesfolge in den Jahren 2013/2014 durch. Die Analyse hat gezeigt, dass eine nicht unerhebliche Anzahl der getöteten Verkehrsteilnehmer nicht angeschnallt waren.

Polizeipräsident (m.d.W.d.G.b.) Hans-Jürgen Mörke stellte dazu fest: „Ein Gurtmuffel zu sein und sich nicht anzuschnallen, kann bei einem VU zu den schlimmsten Folgen führen. Wir werden repressiv durch Kontrollen Einfluss nehmen und im präventiven Bereich die Wiederaufnahme der Kampagne "Anschnallen rettet Leben" unterstützen. Wir werden mit all unseren Möglichkeiten weiterhin auf die Reduzierung der Verkehrsunfälle mit getöteten Personen einwirken."

Ziel der Tiefenanalyse war es, die bestehenden statistischen Erkenntnisse zum Unfallgeschehen zu erweitern und daraus neue Erkenntnisse für repressive und präventive Einwirkungsmöglichkeiten zu finden.

Die erstmals im Polizeipräsidium des Landes Brandenburg durchgeführte Studie führte zu folgenden Ergebnissen:

  • Hauptverkehrsmittel bei Verkehrsunfällen (VU) mit getöteten Verkehrsteilnehmern (gVT) ist der PKW.
  • Die meisten Verkehrsunfälle (VU) mit tödlichem Ausgang ereigneten sich auf Bundes- und Landesstraßen.
  • Hauptproblem in Brandenburg sind Unfälle unter Alleinbeteiligung mit der Folge Baumkollision - dies betrifft weitestgehend alle Altersgruppen.
  • Fast die Hälfte dieser Alleinunfälle mit Baumkollisionen passierten in dem Landkreis, in dem die Verunfallten wohnten.
  • Bei einer nicht geringen Anzahl von tödlichen Verkehrsunfällen waren die Personen nicht gegurtet, dabei waren es oft Alleinunfälle i.Z. mit einer Baumkollision.
  • 2013 waren insgesamt 18% aller tödlich verunglückten und wiederum gurtpflichtigen Personen nicht gegurtet und 2014 bereits 32 %.
  • Die Zahl der getöteten, nicht gegurteten Fahrer ist dabei deutlich gestiegen (Hellfeld: Jahr 2013 – 13, Jahr 2014 – 22) – auffallend sind hier jüngere Fahrer bis 35 Jahre.
  • Die Verursacher von Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang sind überwiegend männlich. Frauen sind hier relativ unauffällig.
  • Der Anteil der „Jungen Fahrer“ bei tödlichen VU ist im Jahr 2014 erstmalig wieder angestiegen – entgegen dem bisherigen Trend sinkender Unfallzahlen.
  • Der Anteil der getöteten Senioren bewegt sich auf einem hohen Niveau, immerhin jeder dritte VU-Tote ist ein Senior. Ab dem 75 Lebensjahr ist eine deutliche Zunahme am Unfallgeschehen sowie bei der Wahrscheinlichkeit des Versterbens feststellbar. Jeder 3. Nachverstorbene war ein Senior über 75 Jahre
  • Die wichtigste Hauptunfallursache (HUU) ist und bleibt „Geschwindigkeit“ (weiterhin bei ca. 25 %).
  • Die HUU „Abstand“ ist im Jahr 2014 stärker ausgeprägt (von ca. 6 % auf 9 %) – Schwerpunkt ist und bleibt die Bundesautobahn.
  • Die HUU „Alkohol“ ist, im Verhältnis zu VU mit gVT gesamt, leicht angestiegen (von 4,5 % auf 6,1 %)
  • Der Straßenzustand war in der Mehrzahl der Fälle in einem trockenen Zustand. Winterglätte spielte so gut wie keine Rolle.
  • Die meisten VU mit gVT ereigneten sich montags, freitags und samstags.
  • Die Mehrzahl der tödlichen Verkehrsunfälle geschah im Zeitraum zwischen 12-18 Uhr (ca. jeder dritte VU).
  • Das Durchschnittsalter der KFZ der Unfallverursacher war relativ hoch und lag für 2013 bei 11 Jahren und für 2014 bei 12 Jahren.

Der Leiter der Verkehrspolizei des Polizeipräsidiums, Polizeioberrat Ingolf Niesler, resümierte in seiner Analyse, dass sich das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes als der größte beeinflussbare Faktor darstellt. „Die Auswertung zeigt deutlich, dass die statistisch zur Verfügung stehenden Daten zum Unfallgeschehen grundsätzlich geeignet sind, Schwerpunkte der polizeilichen Arbeit zu erkennen. Der Sicherheitsgurt ist weiterhin der „Lebensretter Nr. 1“, so Ingolf Niesler in Potsdam.

Im Land Brandenburg ereigneten sich 2013 bundesweit, gemessen am Bevölkerungsanteil, noch immer die häufigsten tödlichen Verkehrsunfälle. So starben im Jahr 2013 noch 170 in Menschen, d.h. je eine Million Einwohner 69 Menschen. Damit belegte das Land Brandenburg 2013 im bundesweiten Vergleich den letzten Platz. Im Jahre 2014 sank die Zahl der Verkehrstoten erstmalig so intensiv, dass Brandenburg nunmehr nicht mehr das Bundesland ist, dass die höchste Wahrscheinlichkeit aufweist, bei einem Verkehrsunfall zu sterben. Mit 139 getöteten Personen im Straßenverkehr, d.h. 57 Unfalltoten je eine Million Einwohner, verbesserte sich Brandenburg vor Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf den drittletzten Platz.

Quelle: Polizeipräsidium Land Brandenburg, Pressestelle

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