Verkehrsgerichtstag: Unfallursache Smartphone ist vielschichtiges Problem

Goslar, 27. Januar 2017 – Die Gefahren durch Handynutzung im Straßenverkehr sind ein gesellschaftlich noch immer unterschätztes Problem. Die Experten des 55. Deutschen Verkehrsgerichtstages empfehlen deshalb eine Kombination aus psychologischen, edukativen, technischen und rechtlichen Maßnahmen. Weitere Themen auf der dreitägigen Fachkonferenz in Goslar waren Fahrtauglichkeitstests für ältere Menschen und die Sicherheit im Fahrradverkehr.

Das Thema Ablenkung, verursacht durch Smartphones oder Tablet-Computer, sollte unter anderem in der schulischen Verkehrserziehung, in der Fahrausbildung und mithilfe öffentlichkeitswirksamer Kampagnen stärker thematisiert werden. Sanktionen bei Verstößen gegen das Handyverbot könnten im Wiederholungsfall auch Fahrverbote und Nachschulungen umfassen. Für Kraftfahrzeuge sollen, so die Empfehlung, technische Lösungen entwickelt und verbindlich vorgeschrieben werden. Eine In-Depth-Unfallstudie könne helfen, die bisher unzureichende Datenlage zu verbessern.

Auch im Themenfeld „Senioren im Straßenverkehr“ sahen die Experten des Verkehrsgerichtstages zunächst die Notwendigkeit einer umfassenderen Datengrundlage als Voraussetzung für weitere Bemühungen. Für die Einführung genereller, obligatorischer und periodischer Fahreignungsüberprüfungen gebe es derzeit keine Grundlage. Denkbar für ältere Autofahrerinnen und Autofahrer sei eine qualifizierte Rückmeldefahrt, deren Ergebnis ausschließlich der betroffenen Person mitgeteilt wird. Neben einer verbesserten verkehrsmedizinischen Kompetenz der Ärzte empfahl der zuständige Arbeitskreis, ältere Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer zu mehr Eigenverantwortung im Hinblick auf ihre Fahreignung aufzurufen.

Um die Sicherheit im Fahrradverkehr zu erhöhen, empfahlen die Experten des Verkehrsgerichtstages, die Radverkehrsinfrastuktur generell einfach, selbsterklärend und sicher zu gestalten. Die bereits bestehenden „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA) sollten dabei als Mindeststandard gelten. Die Bundesregierung sollte sich auf europäischer Ebene intensiv für die Einführung geeigneter Fahrerassistenzsysteme (FAS) wie etwa den Lkw-Abbiegeassistenten einsetzen, aber auch auf eine Verbesserung der passiven Schutzmaßnahmen an Kraftfahrzeugen hinwirken. Auch eine stärkere Überwachung und Sanktionierung von Verkehrsverstößen im Radverkehr sowie der verstärkte Einsatz von Fahrradstaffeln der Polizei könnten zu mehr Sicherheit beitragen. Das Fahrverbot als Nebenstrafe bei allgemeiner Kriminalität sahen die Experten des Verkehrsgerichtstages dagegen als nicht sinnvoll an.

Die Empfehlungen des 55. Deutschen Verkehrsgerichtstages finden Sie hier.

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TIPPS

Sicherheitsprogramm Lkw
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Verkehrssicherheitsprogramme für ältere Verkehrsteilnehmer
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