Radhelmpflicht in Europa und weltweit
Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 71.103 Radfahrer in Verkehrsunfälle verwickelt, darunter 14.430 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. 381 Menschen wurden getötet, weitere 65.192 zum Teil schwer verletzt. Bei jedem zweiten der getöteten Radfahrer waren Kopfverletzungen die Todesursache. „Fahrradhelme retten Leben,“ erinnert Dr. Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). „Sie können zwar keine Unfälle verhindern, aber das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich verringern.“
Die Datenbank der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt, dass 73 Prozent der Helmträger, die mit einem Kraftfahrzeug zusammenprallten, am Kopf unverletzt blieben. Bei den Radfahrern ohne Helm waren es 46 Prozent. Im Bereich der schweren Verletzungen machten Radfahrer mit Helm einen Anteil von zwei Prozent aus, während es bei den Zweiradfahrern ohne Radhelm bereits 17 Prozent waren. Dennoch fristet der Fahrradhelm in Deutschland ein Schattendasein.
Eine Umfrage der Präventionskampagne „Risiko Raus!“ ergab, dass nur jeder zehnte Radfahrer einen Fahrradhelm nutzt. Fast zwei Drittel der Befragten würden jedoch als Eltern in ihrer Vorbildfunktion zum Helm greifen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) für das Jahr 2010 trugen im Schnitt nur neun Prozent aller Radfahrer einen Fahrradhelm. Bei Kindern zwischen sechs und zehn Jahren sank die Helmtragequote von zuletzt 56 auf 38 Prozent. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Untersuchung des ACE Auto Club Europa. Hier verzichteten über zwei Drittel der Schüler auf den Fahrradhelm. In der Gruppe der elf- bis 16-jährigen Radfahrer setzten laut BASt nur 15 Prozent auf einen Kopfschutz. Unter Radfahrern ab 17 Jahren stagnierte die Tragequote zwischen drei und acht Prozent. Leichte Anstiege auf rund neun Prozent waren nur in der Altersgruppe ab 61 Jahren zu verzeichnen.
Im europäischen Ausland wie auch in Übersee gehen die Meinungen hinsichtlich einer allgemeinen Radhelmpflicht auseinander. Während in Europa bislang nur Finnland, Malta und Spanien eine gesetzliche Regelung über alle Altersgruppen hinweg eingeführt haben, gibt es etwa in Österreich, Slowenien oder Tschechien nur eine Helmpflicht für Kinder und Jugendliche. Unterschiedlich ist auch die Umsetzung: Eltern, die die Helmpflicht für ihre Kinder missachten, riskieren in Schweden ein Ordnungsgeld von umgerechnet 55 Euro, während Regelverstöße in Spanien mit bis zu 90 Euro Bußgeld geahndet werden können.
| Land: | Regelung gilt für: | Bußgelder: | in Kraft seit: |
| Australien | alle Radfahrer | 1990 | |
| Estland | Kinder unter 16 Jahren | ||
| Finnland | alle Radfahrer | 2003 | |
| Island | Kinder unter 15 Jahren | 1998 | |
| Israel | Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren | 2011 | |
| Japan | Kinder unter 13 Jahren | 2008 | |
| Kroatien | Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren | 2008 | |
| Litauen | Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren | ||
| Malta | alle Radfahrer | 2004 | |
| Neuseeland | alle Radfahrer | 30 Euro | 1994 |
| Österreich | Kinder unter zwölf Jahren | 2011 | |
| Schweden | Kinder unter 15 Jahren | 55 Euro | 2005 |
| Slowenien | Kinder unter 15 Jahren | 2000 | |
| Slowakei | Kinder unter 15 Jahren, alle Radfahrer außerhalb geschlossener Ortschaften | ||
| Spanien | alle Radfahrer außerhalb geschlossener Ortschaften, nicht bei langen Steigungen oder hohen Temperaturen | 90 Euro | 1990 |
| Südafrika | alle Radfahrer | 2004 | |
| Südkorea | Kinder unter 13 Jahren | 2006 | |
| Tschechien | Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren | 2006 | |
| USA | in 38 Bundesstaaten, überwiegend für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren |
Folgende Länder verzichten auf eine Radhelmpflicht:
Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Hong Kong, Irland, Italien, Lettland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Serbien, Singapur, Türkei, Ungarn

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