Helme für alle

Beschluss des DVR-Gesamtvorstands vom 07. November 2005 auf der Basis der Empfehlung des Ausschusses für Verkehrsmedizin, Erste Hilfe und Rettungswesen

Deutscher Verkehrssicherheitsrat – 2005


Erläuterung

Neben dem DVR haben eine Reihe von namhaften Organisationen der Verkehrssicherheit, Unfallverhütung und Prävention in den vergangenen Jahren an die radfahrenden Verkehrsteilnehmer appelliert, nicht ohne Helm am öffentlichen Straßenverkehr teilzunehmen.

Zwar ist die Zahl der Fahrradbenutzer in Deutschland, die beim Verkehrsunfall getötet wurden, nach einem Anstieg im Jahr 2003 im Jahr 2004 um 23 % auf 475 gesunken und die Zahl der Verletzten um 3,3 % auf 73.162. Es ist aber zu erwarten, dass die Zahl der Fahrradfahrer stetig steigen wird und damit die Gefahr in Unfälle verwickelt zu werden.

Besonders häufig verunglückten Kinder unter 15 Jahren, nämlich 13.241 oder 18 % und 4,8 % wurden getötet. Ältere Radfahrer waren am stärksten gefährdet, an den Unfallfolgen zu sterben: Fast jeder zweite getötete Fahrradbenutzer (47 %) war über 65 Jahre alt.

Drei Gründe sind für die Fahrradunfälle und die tödlichen bzw. schweren Verletzungen der Fahrradfahrer verantwortlich:

Die Fahrräder sind in ihrer Konstruktion immer ausgereifter, wodurch Geschwindigkeiten erreicht werden können, die einem Moped gleichzusetzen sind.

Die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten ist größer geworden, das gilt vor allem für Mountainbike-Fahrer in unwegsamem Gelände.

Die Gruppe der Radfahrer ist die ungeschützteste der Verkehrsteilnehmer.
Wie sich aus der BASt-Info 17/05 „Gurte, Kindersitze, Helme und Schutzkleidung 2004“ ergibt, trugen über alle Altersgruppen hinweg nur 6 % der Fahrradfahrer im Jahr 2004 genau wie im Vorjahr einen Schutzhelm, so dass der Gesamtanteil der schutzhelmtragenden Fahrradfahrer weiterhin auf einem niedrigen Niveau bleibt.

Die BAST-Studie „Förderung des Helmtragens bei Rad fahrenden Kindern und Jugendlichen – Analyse der Einflussfaktoren der Fahrradhelmnutzung und ihrer altersbezogenen Veränderung“ (Quelle: BAST-Reihe „Mensch und Sicherheit“, Heft M 166, Bergisch Gladbach, März 2005) informiert darüber, dass viele Kinder und Jugendliche zum Teil schwere Kopfverletzungen davon getragen haben. Hirnverletzungen könnten deutlich reduziert werden, wenn bei einem Unfall ein Helm getragen wird.

Auch die neuesten Erhebungen (Kuratorium ZNS – Hannelore Kohl Stiftung) zeigen einen Anteil der bis 20-Jährigen am Schädel-Hirn-Trauma von 37,1 %. Der Anteil der Radfahrer ohne Helm betrug hierbei 7,9 %, der Anteil mit Helm 1,3 %. Neben dem Schädel-Hirn-Trauma sind die zusätzlichen Gesichtsverletzungen – auch bei leichteren Schädel-Hirn-Traumen – oft schwerwiegend.

Eine ältere Untersuchung von Löbbecke (Quelle: Löbbecke, G: Schädel-Hirn- Verletzungen durch Fahrradunfälle, Diss. Bonn 1997), befasst sich speziell mit fahrradfahrenden Kindern mit und ohne Helm. Er hebt die große Zahl von Mehrfachverletzungen hervor und betont, dass in 46 % das Selbstverschulden im Kindesalter im Vordergrund der Unfallursache steht, nur in 23 % ein Fremdverschulden.

Die Untersuchung von Rivara und Thompson (Quelle: Thompson, D.C. Rivara, F.P.: Effectiveness of bicycle safety helmets in preventing head injuries. A case control study. JAMA 276 (24) 1996) zeigte bei einer Untersuchung an 3.390 verunfallten Fahrradfahrern, dass eindeutig die Fahrer mit Helm eine „substantielle Protektion“ hatten, wobei es keine Rolle spielte, ob sie einen Hartschalen- oder Dünnschalenhelm trugen.


Beschluss zu Helmen

Der DVR weist auf die besonders schwerwiegenden Unfallverletzungsfolgen ohne Helmschutz hin und richtet einen Appell zum freiwilligen Helmtragen an die radfahrende Bevölkerung. Der Gesetzgeber wird gebeten, alle Mittel und Wege auszuschöpfen, um die Helmtragequote zu erhöhen. Der DVR wird die genannten Erkenntnisse in die Maßnahmen, die sich an die Radfahrer/innen richtet, aufnehmen.


gez.
Prof. Manfred Bandmann
Präsident


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