Leistungsanalyse des Rettungsdienstes in Deutschland

Beschluss des Gesamtvorstands vom 16. Oktober 2007 auf der Basis der Empfehlung des Ausschusses für Verkehrsmedizin, Erste Hilfe und Rettungswesen

Deutscher Verkehrssicherheitsrat – 2007


Erläuterung

Seit 1976 werden im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung regelmäßig Untersuchungen zu den Leistungen im Rettungsdienst durchgeführt. Die Ergebnisse sind im Unfallverhütungsbericht Straßenverkehr 2004/2005 als Bundestagsdrucksache 16/2100 dokumentiert und bestätigen Befürchtungen der Notfallmedizin. Schon in der Vergangenheit wurde der Rettungsdienst vordergründig unter wirtschaftlichen und weniger unter medizinischen Gesichtspunkten gesehen. Dies spiegelt sich in den wiederkehrenden Versuchen einer Kostenreduktion wider, wobei der Forderung nicht entsprochen werden kann, medizinisches Handeln volkswirtschaftlich zu rechtfertigen. Inzwischen ist jedoch nicht nur für den traumatologischen sondern auch für den internistischen Notfall bewiesen, dass die zeitkritische Notfallversorgung einen entscheidenden Einfluss auf das Outcome der Betroffenen hat. Ausgehend von den anerkannten Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften muss die definitive klinische Therapie bei wesentlichen notfallmedizinischen Erkrankungsbildern nach Erstversorgung im Rettungsdienst durch den Notarzt binnen 90 Minuten beginnen. Z.B. 90 Minuten beim Myokardinfarkt bis zur Katheterbehandlung, beim Schlaganfall 90 Minuten bis zur Lyse, beim Schädelhirntrauma (bewusstlos) 90 Minuten bis zur OP oder beim Polytrauma 60 Minuten bis zur Klinikaufnahme.
Der Bericht weist im Kapitel 5.3 deutlich auf Verschlechterungen der Notfallversorgung hin. Die Ergebnisse der Leistungsanalyse sind alarmierend. Die Eintreffzeit des Notarztes hat sich im Vergleich zu der Analyse 2000/2001 um 2,2 Minuten auf 10,9 Minuten und der p95-Wert sogar um 9 Minuten verlängert. Diese Eintreffzeiten sind medizinisch nicht vertretbar. Die Verschlechterung der Versorgungsqualität zeigt sich auch bei den verschiedenen Einsatzanlässen: bei den internistischen Einsätzen, die 44,1% der Notfalleinsätze ausmachen, verlängerte sich die Eintreffzeit im Durchschnitt um 1 Minute, bei sonstigen Notfällen sogar um 5 Minuten. Bei Verkehrsunfällen stieg der p95-Wert um 1,1 Minuten auf 17,1 Minuten. Dies stellt eine Gefährdung der Notfallrettung dar.


Beschluss zur Leistungsanalyse des Rettungsdienstes in Deutschland

Der DVR fordert zu einer echten Vergleichbarkeit der Notfallversorgung eine bundeseinheitliche Definition der Hilfsfrist in Deutschland, die derzeit von Bundesland zu Bundesland variiert.

Der DVR fordert eine weitere Verlängerung der Eintreffzeiten in jedem Falle zu vermeiden. Um der sich abzeichnenden Verschlechterung der Versorgungsqualität auf Grund der Zunahme der Eintreffzeiten entgegen zu wirken, ist eine qualitative Analyse im Hinblick auf die Schwere der Schädigungen erforderlich. Nur so wird es möglich sein, differente Auswirkungen von Kürzungen zu identifizieren, um einer weiteren Absenkung des Qualitätsniveaus entgegen wirken zu können.

Die Analyse offenbart eine Verschlechterung der Notfallversorgung, was aus Sicht des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) nicht akzeptiert werden kann, insbesondere wenn die Analyse in ihrem Fazit konstatiert, dass sich diese Trends in Zukunft weiter fortsetzen werden.

Aufgrund der alarmierenden Ergebnisse der Leistungsanalyse des Rettungsdienstes für die Jahre 2004 und 2005 appelliert der DVR

an das Bundesinnenministerium, schnellstmöglich eine einheitliche Hilfsfrist zu definieren und bittet

die Innenministerkonferenz, auf die Länder einzuwirken, alles zu tun, um die Bereitstellung der personellen und finanziellen Ressourcen zu garantieren, um der Verlängerung der Hilfsfrist und der sich abzeichnenden Verschlechterung der Versorgungsqualität auf Grund der Zunahme der Eintreffzeiten entgegen zu wirken.


gez.
Prof. Manfred Bandmann
Präsident


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