Journal

Fast jedes dritte Todesopfer war nicht angeschnallt

Tiefenanalyse der Polizei in Brandenburg zu Verkehrsunfällen mit Todesfolge 2013/2014

Verkehrsexperten des brandenburgischen Polizeipräsidiums haben eine umfassende Tiefenanalyse zu den Verkehrsunfällen mit Todesfolge in den Jahren 2013/2014 durchgeführt. Trauriges Ergebnis: 2013 waren 18 Prozent aller tödlich verunglückten gurtpflichtigen Personen nicht angeschnallt, 2014 waren es sogar 32 Prozent.

„Ein Gurtmuffel zu sein und sich nicht anzuschnallen, kann bei einem Verkehrsunfall zu den schlimmsten Folgen führen. Wir werden repressiv durch Kontrollen Einfluss nehmen und im präventiven Bereich die Wiederaufnahme der Kampagne ‚Anschnallen rettet Leben‘ unterstützen. Wir werden mit all unseren Möglichkeiten weiterhin auf die Reduzierung der Verkehrsunfälle mit getöteten Personen einwirken“, sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke.

Ziel der Tiefenanalyse war es, die bestehenden statistischen Erkenntnisse zum Unfallgeschehen zu erweitern und daraus neue Erkenntnisse für repressive und präventive Einwirkungsmöglichkeiten zu finden. Die erstmals im Polizeipräsidium des Landes Brandenburg durchgeführte Studie machte deutlich, dass das Hauptverkehrsmittel bei Verkehrsunfällen mit getöteten Verkehrsteilnehmern der Pkw ist. Die meisten Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang ereigneten sich auf Bundes- und Landesstraßen. Hauptproblem in Brandenburg sind Unfälle unter Alleinbeteiligung mit der Folge Baumkollision – dies betrifft weitestgehend alle Altersgruppen. Fast die Hälfte dieser Alleinunfälle mit Baumkollisionen passierten in dem Landkreis, in dem die Unfallopfer wohnten.

Die Verursacher von Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang sind überwiegend männlich, Frauen sind hier relativ unauffällig. Der Anteil der jungen Fahrer bei tödlichen Unfällen ist im Jahr 2014 erstmalig wieder angestiegen – entgegen dem bisherigen Trend sinkender Unfallzahlen. Der Anteil der getöteten Senioren bewegt sich auf einem hohen Niveau, immerhin jeder dritte Getötete ist ein Senior. Ab dem 75. Lebensjahr ist eine deutliche Zunahme der Beteiligung am Unfallgeschehen sowie bei der Wahrscheinlichkeit des Versterbens feststellbar.

Die wichtigste Hauptunfallursache ist und bleibt „Geschwindigkeit“ (weiterhin bei rund 25 Prozent). Die Straßen waren in der Mehrzahl der Fälle in einem trockenen Zustand. Winterglätte spielte so gut wie keine Rolle. Das Durchschnittsalter der Autos der Unfallverursacher war relativ hoch und lag für 2013 bei elf Jahren und für 2014 bei zwölf Jahren.

Der Leiter der Verkehrspolizei des Polizeipräsidiums, Polizeioberrat Ingolf Niesler, resümierte, dass sich das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes als der größte beeinflussbare Faktor darstellt. „Die Auswertung zeigt deutlich, dass die statistisch zur Verfügung stehenden Daten zum Unfallgeschehen grundsätzlich geeignet sind, Schwerpunkte der polizeilichen Arbeit zu erkennen. Der Sicherheitsgurt ist weiterhin der ‚Lebensretter Nummer eins‘“, sagte Niesler in Potsdam.

Im Land Brandenburg ereigneten sich 2013 bundesweit, gemessen am Bevölkerungsanteil, noch immer die häufigsten tödlichen Verkehrsunfälle. So starben im Jahr 2013 noch 170 Menschen. Damit belegte das Land Brandenburg 2013 im bundesweiten Vergleich den letzten Platz.

Im Jahr 2014 sank die Zahl der Verkehrstoten erstmalig so intensiv, dass Brandenburg nunmehr nicht mehr das Bundesland ist, das die höchste Wahrscheinlichkeit aufweist, bei einem Verkehrsunfall zu sterben. Mit 139 getöteten Personen im Straßenverkehr verbesserte sich Brandenburg vor Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf den drittletzten Platz.

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Besserer Durchblick mit Eye-Tracking-Brillen

DVR setzt Geräte zur Fortbildung seiner Fahrsicherheitstrainer ein

Ausgehend von den positiven Erfahrungen, die der DVR bei Tests in Fahrsicherheitstrainings mit der Eye-Tracking-Technologie gemacht hat, werden die Geräte nun ab 2016 für die bundesweit rund 1.800 DVR-Fahrsicherheitstrainer im Rahmen ihrer Fortbildung eingesetzt.

Die Geräte sollen eine direkte Rückmeldung über das Blickverhalten in bestimmten Fahrsituationen liefern, um so potenzielle Ablenkungsquellen zu erkennen und darauf zu reagieren.

Da 90 Prozent der Informationen im Straßenverkehr über die Augen wahrgenommen werden, lässt die Eye-Tracking-Brille den Fahrsicherheitstrainer unmittelbar erfahren, was in einer spezifischen Fahrsituation passiert, wo Fehler passieren und wie man entsprechend reagieren kann. In den bisherigen Testreihen konnte außerdem mit einigen Mythen im Straßenverkehr aufgeräumt werden, die noch in den Köpfen vieler Fahrsicherheitstrainer oder auch Fahrlehrer verankert sind: „Früher ging man beispielsweise immer davon aus, dass man dorthin fährt, wo man auch hinsieht. Diese Annahme ist – wie wir durch unsere Eye-Tracking-Messungen erfahren haben – allerdings so nicht ganz richtig, denn dann müsste man ja gegen ein Objekt wie eine Ampel fahren, wenn man auf sie blickt“, erklärt Jürgen Bente, Referatsleiter für fahrpraktische Programme beim DVR.

Über die Eye-Tracker erhalten die Trainer wichtige Erkenntnisse, die ihnen bisher im Rahmen ihrer Ausbildung oder Praxis vielleicht noch nicht bewusst waren. Dieses Wissen soll zukünftig direkt in ihre Tätigkeit einfließen und an die Teilnehmer der Fahrsicherheitstrainings weitergegeben werden. Die Fahrsicherheitstrainings, die nach den Richtlinien des DVR stattfinden, werden in Deutschland von rund 50 Veranstaltern durchgeführt und zählen jedes Jahr über 300.000 Kursteilnehmer. In den Kursen wird gelernt, wie man sich in kritischen Fahrsituationen (zum Beispiel eine schwierige Kurve) verhält und seine Geschwindigkeit, Lenkradhaltung und Blickrichtung entsprechend anpasst.

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Kopfhörer im Straßenverkehr

Jeder fünfte Fußgänger (22 Prozent) und fast jeder fünfte Radfahrer (19 Prozent) ist regelmäßig oder hin und wieder mit Kopfhörern im Straßenverkehr unterwegs. Dies ergab eine repräsentative Befragung, die im Auftrag des DVR im Mai 2015 vom Marktforschungsinstitut Ipsos bei 2.000 Personen über 14 Jahren durchgeführt wurde.

Betrachtet man nur die jüngere Altersgruppe bis 34 Jahre, liegen die Anteile noch weit höher: Jeder zweite junge Fußgänger (54 Prozent) und Radfahrer (46 Prozent) trägt im Straßenverkehr regelmäßig oder hin und wieder Kopfhörer. Fast ein Drittel der Befragten (30 Prozent) sind nach eigenen Angaben schon einmal in eine gefährliche Situation geraten, weil andere Personen zu Fuß oder auf dem Fahrrad Kopfhörer getragen haben. Der DVR weist darauf hin, dass eine Beeinträchtigung des Gehörs, wie sie durch laute Musik oder Telefongespräche über Kopfhörer entstehen kann, durch die Straßenverkehrsordnung (StVO) ausdrücklich verboten ist. Der DVR appelliert an alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, ihre Aufmerksamkeit im Straßenverkehr nicht durch Ablenkung oder Geräuscheinwirkungen über Kopfhörer zu beeinträchtigen.

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„Aktionstag der Logistik“ in Osnabrück

Die anschauliche Darstellung von Lieferketten, Einblicke in Berufe der Logistikbranche sowie Verkehrssicherheit, Technik, Sport und Spaß, das alles bot der 2. „Aktionstag der Logistik“ in Osnabrück. Am 5. September 2015 hatte das Kompetenznetz Logistik (KNI) auf über 30.000 Quadratmetern Aktionsfläche zum Informieren, Ausprobieren und Mitmachen eingeladen.

„Deutschland ist nicht nur Fußballweltmeister, wir sind auch Logistikweltmeister. Und das soll so bleiben“, sagte Uwe Fieselmann, Vorstandsmitglied des KNI mit Bezug auf den offiziellen WM-Truck, von dem aus er die Besucher begrüßte. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Enak Ferlemann betonte insbesondere die Bedeutung der Logistik als Schwerpunkt der Wirtschaft, für Arbeitsplätze und Aus- und Weiterbildung in der Region.

Dass auch in der Logistik die Sicherheit an erster Stelle steht, wurde auf einer Vorführung zur Ladungssicherung bei Autotransportern deutlich. Eindrucksvoll verlief auch der Umschlag von zwei Frachtcontainern mittels eines 95 Tonnen schweren Containerstaplers. Ein besonderes Highlight war auch die erste öffentliche Demonstration des Blind Spot Monitoring Sytems (Abbiegeassistent) von Daimler.

In einer Rettungsübung demonstrierten Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz, dass bei der Bergung von Verletzten nach einem schweren Verkehrsunfall jede Sekunde zählt. Der DVR präsentierte gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft (BG Verkehr) einen Lkw-Überschlagsimulator und informierte über seine vielfältigen Trainings- und Seminarangebote.

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Nordrhein-Westfalen bietet Fahrradsicherheitstrainings für Flüchtlinge an

Für Menschen, die aus Kriegsgebieten nach Deutschland geflohen sind, bedeutet der deutsche Straßenverkehr mit höherer Verkehrsdichte und anderen Verkehrsregeln eine große Umstellung. Die Aachener Polizei bietet deshalb ein spezielles Fahrradtraining für Flüchtlinge an.

In einer theoretischen Einweisung und mit praktischen Radfahrübungen trainieren Polizisten mit den Flüchtlingen das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Dabei weisen sie auf die wichtigsten Verkehrsregeln und Verkehrszeichen für Fahrradfahrer hin und warnen vor Unfallgefahren.

„Dieser Baustein der Verkehrssicherheitsarbeit unterstützt die Willkommenskultur für Menschen, die bei uns Schutz vor Gewalt und Verfolgung suchen“, hob NRW-Innenminister Ralf Jäger hervor.

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