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Radfahren muss sicherer werden

DVR-Seminarreihe zum Radverkehr erfolgreich abgeschlossen

Von Detlev Lipphard

Fahrradfahren wird immer beliebter. Denn viele Wege können bequem und schnell per Rad zurück gelegt werden – ob auf dem täglichen Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkauf oder im Urlaub. Wichtig ist immer ein zügiges und sicheres Vorankommen inklusiver guter Abstellmöglichkeiten am Ziel.

Aber dieser so begrüßenswerte Trend hat leider eine gravierende Schattenseite, wie die Unfallstatistik schonungslos verdeutlicht: Im Jahr 2014 wurden insgesamt 396 Radfahrer getötet, was gegenüber dem Vorjahr einem alarmierenden Anstieg von zwölf Prozent entspricht. Fast 78.000 verletzte Radfahrer sind außerdem statistisch erfasst worden – wobei von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen ist, da bei vielen Radunfällen die Polizei nicht zum Unfallort gerufen wird.

Bedeutung einer fehlertoleranten Radinfrastruktur

Also besteht dringender Handlungsbedarf, um die mit dem Radverkehr verbundenen Risiken wirkungsvoll einzudämmen. Appelle und Informationen zum sicheren Radfahren sind wichtig, reichen aber nicht aus. Entscheidend ist die Schaffung einer weitgehend fehlertoleranten Infrastruktur. Auch in Zeiten knapper Kassen geht es darum, die vorhandenen Mittel nicht einseitig in den motorisierten Verkehr, sondern gleichberechtigt in den Radverkehr zu investieren. Ein gutes Radverkehrsnetz kostet zwar Geld, aber es verbessert die Unfallbilanz und erhöht die Akzeptanz nachhaltig.

Die Bundesregierung hat mit dem Nationalen Radverkehrsplan 2020 zum Ziel, die Anteile des Radverkehrs am Gesamtverkehr in dieser Dekade von zehn auf 15 Prozent zu erhöhen, also deutschlandweit jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich fünf Prozent zu erreichen. Wegen der hohen Unfallzahlen hat der Bund in der kürzlich veröffentlichten Halbzeitbilanz zur Umsetzung seines Verkehrssicherheitsprogramms bis zum Jahr 2020 für Innerortsstraßen einen Aktivitätsschwerpunkt auf Maßnahmen zum Schutz der Radfahrer gelegt.

So soll zum Beispiel die Sicherheit des Radverkehrs an Kreuzungen und Einmündungen mittels verkehrstechnischer Maßnahmen erhöht werden. Meist schnell umsetzbar und kostengünstig ist etwa ein sogenanntes Vorlaufgrün oder die Verbesserung der Sichtbeziehungen bei abbiegenden Fahrzeugen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei diesen häufig besonders schweren Unfällen die Radfahrer zu weniger als zehn Prozent die Hauptverursacher sind. Denn immer wieder werden sie schlicht übersehen oder zu spät wahrgenommen, weil die Sicht durch parkende Fahrzeuge, Masten oder Reklametafeln versperrt ist.

Gleichberechtigung für den Radverkehr?

In der Vergangenheit haben viele Städte einseitig den motorisierten Verkehr bevorzugt, so dass die bestehende Radinfrastruktur häufig veraltet und zu knapp dimensioniert ist. Deshalb hat der DVR von 2010 bis 2015 die Seminarreihe „Sicherer Radverkehr in Klein- und Mittelstädten“ in insgesamt 34 Regionen in Deutschland durchgeführt.

Mit diesem flächendeckenden Angebot konnten fast 1.000 kommunale Mitarbeiter geschult werden. Denn hinsichtlich einer verkehrssicheren Straßenplanung bestand ein großer Informationsbedarf. Jetzt wissen die Umsetzer, mit welchen Maßnahmen sie zukünftig den Radverkehr in ihrer Stadt sicherer gestalten können.

Die Konzeption, Organisation und Durchführung der Seminarreihe lag in den bewährten Händen der Fahrradakademie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), das über ein langjähriges Wissen zur Vermittlung solcher Inhalte verfügt. Gemeinsam mit hochkarätigen Referenten wurden beispielhafte Lösungen vorgestellt und in Workshops anhand konkreter Fallbeispiele aus der Praxis entwickelt und diskutiert. Im Mittelpunkt standen die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA), die den Stand der Technik mittels eines umfangreichen Instrumentariums repräsentieren.

Die Teilnehmerbewertungen wurden kontinuierlich analysiert: Sie haben gezeigt, dass die Seminarreihe sehr gut angekommen ist und große Wissenslücken geschlossen werden konnten. Dem Referententeam wurde eine hohe Kompetenz bescheinigt, der direkte Austausch wurde ebenso hervorgehoben wie wichtige Argumentationshilfen und eine neue Motivation zur Planung vor Ort.

Seminarangebot auch für den Fußverkehr

Aufgrund dieser positiven Erfahrungen plant der DVR ab 2016 eine ähnliche Seminarreihe für die zweite in der Halbzeitbilanz des Bundes hervorgehobene Zielgruppe auf Innerortsstraßen: die Fußgänger. Ähnlich wie beim Radverkehr hilft hier eine zukunftsgerichtete Infrastruktur, die die Belange des Fußverkehrs auch hinsichtlich des demografischen Wandels stärker gewichtet, um die hohe Zahl schwerer Unfälle deutlich zu verringern.

Der Autor ist Referatsleiter Straßenverkehrstechnik beim DVR.
dlipphard@dvr.de

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Auch der Akku mag es im Winter gerne kuschelig

Mit dem E-Bike sicher durch den Winter

Das Elektrofahrrad liegt voll im Trend: Mit 2,1 Millionen gibt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) die Zahl der E-Bikes in Deutschland an (Stand: 12/2014). Geschätzt wird das Radfahren mit Elektromotor nicht nur auf Touren und in der Freizeit – immer mehr Radfahrer nutzen das E-Bike für den Weg zur Arbeit und zum Einkauf. Wer auch im Winter „durchfahren“ will, sollte jedoch ein paar Besonderheiten des Elektrofahrrads kennen und etwas für die eigene Sicherheit tun. Tipps, wie man mit dem E-Bike sicher durch den Winter kommt, gaben Experten im Rahmen einer Leser-Telefon-Aktion des DVR:

Ich mache mir Sorgen, ob der Akku im Winter schlapp macht…
Hannes Neupert, ExtraEnergy: Batterien sind elektrochemische Systeme, in denen die Prozesse bei Kälte langsamer ablaufen. Das kann die Reichweite etwas reduzieren. Wenn die Batterien bei Raumtemperatur geladen und gelagert werden, wird dies auf die Reichweite keine ernsthaften Auswirkungen haben.

Was muss ich beim Laden des Akkus im Winter beachten?
Hannes Neupert: Die in Elektrofahrrädern verbauten Akkus sind nicht zur Ladung unter zehn Grad Celsius konzipiert und sollten deshalb bei niedrigen Temperaturen zum Laden in einen wärmeren Raum gebracht werden. Die optimale Umgebungstemperatur beim Laden liegt bei etwa 20 Grad Celsius.

Soll ich den Akku mit ins Büro nehmen, um ihn aufzuwärmen, oder lieber am Rad lassen?
Hannes Neupert: Bei Minusgraden empfiehlt es sich, den Akku mit ins Warme zu nehmen. Damit erhöhen Sie die entnehmbare Kapazität an Energie. Setzen Sie den Akku erst kurz vor Fahrtbeginn wieder ein.

Verkürzt der Winterbetrieb die Lebensdauer des Akkus?
Hannes Neupert: Der Winterbetrieb an sich hat keine negativen Auswirkungen auf die Lebensdauer des Akkus, solange Sie ihn nicht bei Minusgraden laden.

Was ist im Winter besser, ein Vorderrad- oder ein Hinterradantrieb?
Welf Stankowitz, DVR: Die beste Lösung ist ein Allradantrieb: Während das Vorderrad mit einem Elektromotor angetrieben wird, sorgt Muskelkraft am Hinterrad für Vortrieb. Wirklich gut funktioniert das allerdings nur, wenn der Vorderradantrieb über eine Antischlupf-Regelung verfügt. Er verhindert das Durchdrehen des Vorderrads, wenn es rutschig wird. Was Schwerpunkt und Gewichtsverteilung betrifft, ist der Hinterradantrieb mit Mittelmotor eine wintertaugliche Lösung – und er ist mittlerweile auch das am weitesten verbreitete System. Ein Nabenmotor im Hinterrad verlagert insbesondere in Kombination mit einem Gepäckträgerakku den Schwerpunkt des Rads sehr weit nach hinten und oben. Handling und Fahrverhalten werden dadurch negativ beeinflusst.

Eignet sich für den Winterbetrieb eher ein Mittelmotor mit Ketten- oder mit Nabenschaltung?
Hannes Neupert: Mittelmotoren erlauben den Einbau einer Nabenschaltung, bei der das Getriebe im Gegensatz zur Kettenschaltung gegen Witterungseinflüsse geschützt ist. Ideal für den Winterbetrieb ist die Kombination aus Nabenschaltung und Riemenantrieb oder zumindest einer gut gekapselten Kette.

Wo ist die beste Position für den Akku?
Hannes Neupert: Am besten für das Handling eines Elektrofahrrads ist es, wenn der Schwerpunkt möglichst tief und in Nähe des Tretlagers liegt. Da der Akku zwischen zwei und über drei Kilogramm auf die Waage bringt, ist eine Position am Rahmen nahe des Tretlagerbereichs sinnvoll.

Machen Winterreifen fürs E-Bike Sinn?
Welf Stankowitz: Das kommt auf die Fahrbahnverhältnisse an: Bei geschlossener Schneedecke und Schneematsch bieten spezielle Winterreifen mit einem feinen Lamellenprofil wie beim Auto in der Tat Vorteile. Ihre vielen Griffkanten verzahnen sich mit dem Untergrund und bieten auch dann noch Grip, wenn andere Reifen den Halt verlieren. Bei Eis hingegen helfen nur Spikereifen, die im Gegensatz zum Auto erlaubt sind. Allerdings sollte man im Einzelfall abwägen, ob es bei sehr ungünstigen Wetterbedingungen nicht sicherer ist, das Rad auch einmal stehen zu lassen.

Worauf sollte ich bei den Bremsen achten?
Welf Stankowitz: Seilzugbetriebene Bremsen können einfrieren, wenn sich Wasser zwischen Zug und Ummantelung befindet. Die Züge sollten bei einem Wintercheck vorsorglich entsprechend gegen eindringende Nässe geschützt werden. Vorsicht ist auch bei Felgenbremsen geboten, denn Nässe, Eis oder Schnee auf der Felge können die Bremswirkung stark verringern. Abhilfe schaffen hier spezielle Bremsbeläge für Nässe. Ideal sind hydraulisch betätigte Scheibenbremsen. Sie funktionieren bei jeder Witterung zuverlässig und sind äußerst wartungsarm. Allerdings verlangen sie Feinfühligkeit, weil sie so stark zupacken, dass die Räder blockieren können.

Gibt es spezielle Fahrtrainings für E-Bikes?
Welf Stankowitz: Ja, und sie machen besonders für Fahranfänger und Menschen Sinn, die nach Jahren der „Fahrradabstinenz“ erstmals auf ein Pedelec 25 oder ein schnelles Pedelec 45 steigen. Anbieter sind neben den regionalen Verkehrswachten und dem ADFC oder den Automobilclubs zunehmend auch Fahrradhändler, die ihren Kunden eine praktische Einführung ins E-Biken ermöglichen.

Muss ich mit dem E-Bike den Radweg benutzen?
Roland Huhn, ADFC: Mit einem Pedelec bis 25 km/h Höchstgeschwindigkeit dürfen Sie überall dort fahren, wo man Rad fahren darf: auf Radwegen, auf Radfahrstreifen und Schutzstreifen, entgegen Einbahnstraßen, wenn sie für Radfahrer frei gegeben sind, sogar auf Gehwegen „Radfahrer frei“ – dann aber nur mit Schrittgeschwindigkeit. Der Grund: Das Pedelec 25 gilt rechtlich als Fahrrad. Deshalb gilt auch die Radwegbenutzungspflicht, wenn der Radweg mit einem blauen Radwegschild gekennzeichnet ist. Für ein Pedelec 45 – bis 500 Watt und bis 45 km/h – sind Radwege hingegen tabu.

Und wenn der Radweg nicht geräumt ist, die Straße aber schneefrei?
Roland Huhn: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass es unter diesen Umständen für Radfahrer nicht zumutbar ist, den Radweg zu benutzen. Auch Pedelecfahrer dürfen dann ausnahmsweise auf die geräumte oder gestreute Fahrbahn ausweichen.

Die Experten des Leser­telefons im Überblick

Besteht bei E-Bikes Helmpflicht?
Welf Stankowitz: Da ein Pedelec 25 vor dem Gesetz als Fahrrad gilt, besteht keine Helmpflicht. Dennoch empfehlen wir grundsätzlich, auf dem Fahrrad oder Pedelec einen Helm zu tragen. Die Verletzungen bei einem Sturz betreffen hauptsächlich den Kopf – mit teils gravierenden gesundheitlichen Folgen. Wegen der erhöhten Rutschgefahr im Winter sollten Sie erst recht auf Nummer Sicher gehen. Übrigens gilt für die Pedelecs 45, dass ein geeigneter Schutzhelm getragen werden muss.

Gibt es spezielle Helme für den Wintereinsatz?
Welf Stankowitz: Einige Hersteller bieten Helme an, die speziell für den Winterbetrieb ausgerüstet sind. Sie verfügen über weniger oder regulierbare Lüftungsschlitze, um den Kopf nicht zu sehr abzukühlen, und sie schützen die Ohren gegen die kalte Zugluft. Manche Helme können auch mit einem Winter-Kit versehen werden und werden so zum Ganzjahreshelm. Lässt sich der Helm in der Weite verstellen, sind spezielle Unterziehmützen eine Lösung. Eine dicke Wintermütze unter dem „Sommerhelm“ ist hingegen keine Alternative. Der Helm sitzt dann nicht mehr richtig auf dem Kopf und kann ihn bei einem Sturz auch nicht schützen.

Muss ein E-Bike über eine dynamo-betriebene Beleuchtung verfügen?
Roland Huhn: Nein, die Dynamopflicht für Fahrräder und Pedelecs ist 2013 weggefallen. Der Akku für den Antrieb hat genügend Kapazität auch für die Lichtanlage. Selbst wenn der Akku leergefahren ist und den Motor nicht mehr versorgen kann, reicht der Strom noch für die Beleuchtung, so dass man auch bei Dunkelheit noch mit eigener Tretkraft nach Hause kommen kann.

Brauche ich für ein Pedelec eine Fahrerlaubnis?
Roland Huhn: Für das Pedelec 25 gibt es wie für das Fahrrad keine Führerscheinpflicht und kein Mindestalter. Die Fahrer von Pedelecs 45 brauchen nach Ansicht des Bundesverkehrsministeriums eine Moped-Fahrerlaubnis der Klasse AM und müssen 16 Jahre alt sein.

Ich fahre meinen Sohn auch im Winter im Anhänger zum Kindergarten. Darf ich das auch mit einem E-Bike?
Roland Huhn: Mit einem Pedelec 25 dürfen Sie einen Kinderanhänger ziehen. Mit einem Pedelec 45 dürfen Sie es hingegen nicht, denn Personenanhänger hinter Kraftfahrzeugen sind nicht zulässig. Übrigens: Fahrradanhänger zum Kindertransport werden nach der DIN-Norm nur bei Fahrradgeschwindigkeit geprüft. Man sollte die Höchstgeschwindigkeit des Pedelecs von 25 km/h daher mit Anhänger nur auf ebener Fahrbahn ausnutzen.

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„Es geht darum, Menschen kennenzulernen“

Verkehrswacht Bochum bietet Verkehrssicherheitstraining für Flüchtlinge an

Im Straßenverkehr gibt es für Fahrradfahrer und Fußgänger viel zu beachten, um Unfälle zu vermeiden. Für Menschen aus Ländern wie Syrien oder dem Irak ist es auch angesichts der ungewohnten Verkehrsdichte in Deutschland besonders schwierig, sich sicher auf Straße, Rad- oder Fußgängerweg zu bewegen. Die Verkehrswacht Bochum hat deshalb in einer sechsmonatigen Vorlaufzeit mit der Stadt Bochum, den örtlichen Polizeibehörden, Verkehrsbetrieben und weiteren Aktionspartnern ein sechsstündiges Trainingskonzept erarbeitet, das Flüchtlingen die Orientierung im Straßenverkehr erleichtern und somit Verkehrsunfällen vorbeugen soll. Vier öffentliche Trainings fanden im Oktober und November 2015 in Bochum statt, weitere Veranstaltungen sind für das Jahr 2016 geplant. Unterstützt wird das Projekt im Rahmen des Bundesprogramms „FahrRad ... aber sicher!“ durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI).

„Wichtig ist das Arbeiten im Verbund“, betont Guido Jabusch, Geschäftsführer der Verkehrswacht Bochum. Die Kombination aus Mitteln der Verkehrswacht und der polizeilichen Beratung sei der Schlüssel für erfolgreiche Präventionsarbeit. Dass Unterstützung stets willkommen ist, zeigt sich an der mobilen Fahrradwerkstatt, die die von den Teilnehmern mitgebrachten Fahrräder auf Verkehrssicherheit prüft.

Ein Fahrradparcours führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spielerisch an den sicheren Umgang mit dem Fahrrad heran. Zuvor jedoch verteilten Guido Jabusch und seine Helfer rund 25 Fahrradhelme an Kinder, verbunden mit einer kurzen Einweisung, worauf beim Helmtragen zu achten ist. Viele der jungen Radfahrer setzten zum ersten Mal einen Fahrradhelm auf – entsprechende Fragen in unterschiedlichen Sprachen waren mit tatkräftiger Unterstützung durch Dolmetscher zu beantworten. „Wenn du mal keinen Übersetzer zur Seite hast – Vormachen klappt immer“, schildert Chris Arndt, Verkehrshelfer bei der Verkehrswacht Bochum. Die Motivation, etwas Nützliches zu lernen, sei auf jeden Fall gegeben.

Das bestätigt die achtjährige Fiola, die aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen ist. „Ich bin hierhergekommen, weil ich richtig und sicher Rad fahren lernen will.“ Ali aus Serbien freut sich über die Gelegenheit, einmal mit der Polizei zu sprechen: „Ich habe das Plakat gesehen. Dass die Polizei hier ist, hörte sich spannend an, und deswegen bin ich hier.“

Während auf der abgesteckten Strecke Geschicklichkeit, vorausschauendes Fahren und der Blick auf die wichtigsten Verkehrszeichen den Schwerpunkt bildeten, bestand im Anschluss für Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit einer Probefahrt im realen Straßenverkehr. In Begleitung und unter Anleitung einer Fahrradstreife der Polizei Bochum wurden Schulterblick, Handzeichen, Abbiegen und das Verhalten an Ausfahrten und Einmündungen geübt. Auch hier nahmen sich die Polizeibeamten viel Zeit für Fragen und Gespräche.

Um die Gefahren des toten Winkels besser zu verstehen, konnten die Teilnehmer nacheinander am Steuer eines geparkten Lkw Platz nehmen und die Straße einmal aus der Perspektive eines Lkw-Fahrers sehen. Die Firma LUEG hatte dazu das neueste Modell einer 18 Tonnen schweren und fast vier Meter hohen Sattelzugmaschine von Mercedes-Benz zur Verfügung gestellt. Für die Vorführung wurden die modernen, zusätzlichen Spiegel abgedeckt und nur die Standardaußenspiegel genutzt. Wer sich nun draußen in den Bereich des toten Winkels auf der rechten Seite bewegte, war aus dem Blickfeld des Lkw-Fahrers verschwunden.

Unter Einsatz eines Linienbusses der Verkehrsbetriebe Bogestra wurden grundlegende, sichere Verhaltensweisen beim Ein- und Aussteigen, aber auch beim Überqueren der Straße an einer Haltestelle vermittelt. Unter dem Motto „Erleben und ausprobieren“ standen auch der Seh- und Hörtest sowie ein Alkoholparcours der Verkehrswacht, auf dem mittels Rauschbrille die Beeinträchtigung durch Alkohol beim Zufußgehen nachvollzogen werden konnte.

„Es geht darum, Menschen kennenzulernen“, weiß Guido Jabusch, der als Polizeihauptkommissar in der Verkehrsunfallprävention tätig ist. Auch deshalb sind alle Veranstaltungen öffentlich zugänglich und bieten Gelegenheit, Brücken zwischen Kulturen zu bauen. Mimoun Ouachikh, Dolmetscher für arabische Sprachen bei der Stadt Bochum, empfiehlt eine behutsame Herangehensweise an das Thema Verkehrssicherheit. „Die Gedanken und Sorgen der Menschen sind oft noch in ihren Heimatländern“, berichtet er. Besonders wichtig, auch um Misstrauen gegenüber Behörden und Institutionen konstruktiv zu begegnen, sei deshalb eine persönliche Ansprache, in der Raum für Fragen bleibe.

DVR koordiniert Verkehrssicherheitsarbeit für Flüchtlinge


Das Thema Flüchtlinge beschäftigt bundesweit auch die in der Verkehrssicherheitsarbeit engagierten Menschen. Viele Verkehrsregeln sind für die ankommenden Menschen neu oder bestimmte Situationen im Straßenverkehr sind oft ganz anders als im Herkunftsland. Der DVR-Vorstand hat daher beschlossen, rasch zu handeln und das Themenfeld zu koordinieren.

Zu den ersten Maßnahmen zählen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) die Entwicklung einer App und einer Webseite, www.germanroadsafety.de, auf der alle Informationen veröffentlicht werden, die für Multiplikatoren einerseits und Flüchtlinge andererseits in puncto Verkehrssicherheit hilfreich sein könnten. Einige DVR-Mitgliedsorganisationen sind in der Verkehrssicherheitsarbeit für Flüchtlinge bereits aktiv, viele möchten etwas tun. Alle Angebote und Informationen sollen in diese Webseite integriert werden.

Darüber hinaus sind gemeinsam mit der DGUV, dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Deutschen Verkehrswacht (DVW) zwei Broschüren aufgelegt worden. Sie beziehen sich in mehreren Sprachen auf die wichtigsten Regeln beim Zufußgehen, Radfahren, Fahren mit dem Pkw oder Moped/Motorrad und bei der Nutzung des ÖPNV.

Mit der DVW erstellt der DVR zudem einen Leitfaden für praktische Trainings.

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Intelligentes Licht kann Unfälle verhindern

In stockfinsterer Nacht mit dem Auto auf einer Landstraße unterwegs. Die Scheinwerfer leuchten die Straße über mehrere hundert Meter fast taghell aus. Auf der Gegenspur taucht ein anderer Pkw auf, doch die Scheinwerfer dunkeln genau den Bereich des entgegenkommenden Fahrzeugs ab, um eine Blendung des Fahrers auszuschließen. Rechts und links neben seinem Auto sowie im Bereich davor bleibt die helle Ausleuchtung erhalten.

Zukunftsmusik? Nein, diese intelligente Lichtfunktion ist bereits heute bei einigen Fahrzeugen erhältlich.

Möglich wird dies durch die moderne adaptive LED-Technik, die zunehmend bei Fahrzeugscheinwerfern verwendet wird: Eine Vielzahl von Licht emittierenden Dioden (LED) sind in einem Scheinwerfer zusammengefasst. Die LEDs können einzeln angesteuert und der Lichtkegel somit den Verkehrsverhältnissen exakt angepasst werden. Je nach Situation kann man dann mit Stadtlicht, Landstraßen-, Schlechtwetter- oder Autobahnlicht unterwegs sein und sogar andere Verkehrsteilnehmer gezielt aus der Fernlichtverteilung herausschneiden.

„Adaptive Lichtsysteme stellen einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit dar“, sagt Welf Stankowitz vom DVR, der Autofahrern die intelligente Lichttechnik wärmstens ans Herz legt. „Nachtunfälle haben im Vergleich zu Unfällen am Tag deutlich schwerere Folgen. Die Gefahr, bei einem Unfall in der Dunkelheit getötet zu werden, ist fast doppelt so hoch“, weiß der Technikexperte.

Außer den oben beschriebenen LED-Lichtsystemen gibt es auch andere, teilweise einfachere und kostengünstigere Möglichkeiten, beim Fahrzeuglicht aufzurüsten. So produzieren zum Beispiel Xenonlampen, die mittels der Gasentladungstechnik arbeiten, ein helleres und mehr dem Tageslicht angepasstes Licht als die bisher üblichen Halogenlampen. Mittels Laserlicht kann ein noch weiter leuchtendes Fernlicht erzeugt werden. Für viele Fahrzeuge sind Kurven- und Abbiegelicht als Serien- oder Zusatzausstattung verfügbar. Beim Kurvenlicht schwenkt der Lichtkegel in Abhängigkeit vom Kurvenradius und der Geschwindigkeit in die gewünschte Richtung und leuchtet die Kurve optimal aus. Das Kurvenlicht arbeitet sowohl in der Abblend- als auch in der Fernlichtfunktion. Der Fahrbahnverlauf, mögliche Hindernisse und schlecht oder gar nicht beleuchtete Verkehrsteilnehmer sind so frühzeitiger erkennbar. Das Abbiegelicht hingegen schaltet sich automatisch nur bei Abbiegesituationen zu. So können zum Beispiel Fußgänger besser erkannt werden.

Der DVR empfiehlt allen Autofahrern, bei denen der Neukauf eines Fahrzeugs ins Haus steht, sich nach den verfügbaren Beleuchtungssystemen zu erkundigen. Die Mehrkosten für die Zusatzausstattungen sind laut DVR bei intelligenter Lichttechnik auf jeden Fall gut angelegt.

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