Wenn der Stress ständiger Begleiter ist

Blaulicht-Fahrsimulator im Einsatz

Bonn, 14. Mai 2014 – Martinshorn und Blaulicht sind eingeschaltet, aber die Fahrzeuge auf den beiden Fahrstreifen der Autobahn bewegen sich nur langsam nach links und rechts, um die Rettungsgasse zu bilden. Für den Fahrer am Steuer des Rettungswagens heißt es jetzt kühlen Kopf zu bewahren und mit geschickten Lenkbewegungen sein Einsatzfahrzeug zum Unfallort zu bewegen. Alltag für Tausende Einsatzwagenfahrer auf unseren Straßen. Diese und viele weitere brenzlige Situationen können künftig beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in Erding in einem Blaulicht-Fahrsimulator geübt werden. Das vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) gemeinsam mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) entwickelte Simulatortraining richtet sich nach den speziellen Anforderungen für Fahrer von Einsatzfahrzeugen. „Fahrten mit Blaulicht und Martinshorn können im Realverkehr nicht trainiert werden. Deshalb ist es so wichtig, einen Simulator nutzen zu können, in dem man gefahrlos üben kann“, sagte Jochen Lau, Referatsleiter Unfallprävention – Wege und Dienstwege beim DVR anlässlich der Einweihung des neuen Simulators am 8. Mai 2014, dem diesjährigen Weltrotkreuztag. „Das Unfallrisiko bei einer Einsatzfahrt ist gegenüber einer Normalfahrt um das etwa 17-Fache erhöht“, unterstrich der DVR-Experte.

Präsentiert wurde das Fahrsimulator-Training von Dr. Jürgen Wiegand vom Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV.

Die Einsatzfahrten und die damit verbundenen Sonder- und Wegerechte erfordern ein verantwortungsvolles Handeln. Und das unter erschwerten Bedingungen: Beim Einsatz kommt es auf jede Sekunde an, der Adrenalinspiegel der Fahrer steigt, Stress wird zum ständigen Begleiter und sie müssen den Überblick behalten. Genau an diesem Punkt setzt das Seminarkonzept mit dem Simulatortraining an. „Es wurden Fahrübungen entwickelt, die das Entscheidungsverhalten, fahrphysikalische Aspekte sowie Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsprozesse in der Simulation erlebbar und beobachtbar werden lassen“, erläuterte Lau das Programm. Der Vorteil: Das Schlimmste, das im Simulator passieren kann, ist ein durchgeschwitztes Hemd des Fahrers, denn auch nach einem Crash ist das Fahrzeug mit einem Mausklick wieder fahrbereit.

Parallel zu den Seminaren unter der Regie des BRK wird die Ludwig-Maximilians-Universität in München eine umfassende, auf zwei Jahre angelegte Evaluationsstudie zum Seminarprogramm durchführen.

Gerhard Eck, Staatssekretär des Ministeriums des Innern, für Bau und Verkehr, dankte allen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen Einsatz, Menschenleben zu retten und Verletzten zu helfen, oft genug mit hohen Risiken für die eigene Gesundheit verbunden.

Eine „Probefahrt“ im Simulator machten neben ihm auch BRK-Geschäftsführerin Gisela van der Heijden, BRK-Präsident Theo Zellner, und der Oberbürgermeister von Erding Max Gotz.

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