Wer an der Qualität spart, legt beim Bremsweg drauf

Leser-Telefon-Aktion zum sicheren Fahren mit Winterreifen

Bonn, 5. Oktober 2011 (DVR) – Auch wenn man es angesichts der aktuellen Temperaturen kaum glauben mag – die kalte Jahreszeit steht vor der Tür und für alle Autofahrer heißt es jetzt wieder: umrüsten auf Winterreifen. Doch wie war das noch mal genau mit der gesetzlichen Neuregelung für Winterreifen aus dem letzten Jahr? Und worauf kommt es bei der Wahl eines guten Reifens an? Fragen, auf die die Experten unserer Lesertelefonaktion sachkundige Antworten wussten. Für alle, die nicht persönlich mit einem der Experten sprechen konnten, hier das Wichtigste zum Nachlesen:

Hat der Gesetzgeber mit der neuen Verordnung aus dem Jahr 2010 eine Winterreifenpflicht geschaffen?
Jörg-Christian von der Mark: Mit der neuen Verordnung hat der Gesetzgeber eine sogenannte situative Winterreifenpflicht geschaffen. Das bedeutet, dass jetzt genau festgelegt ist, bei welchen Witterungsverhältnissen ein Winterreifen gefahren werden muss: nämlich bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Wer dagegen verstößt, muss 40 Euro Bußgeld zahlen, bei Behinderung des Straßenverkehrs sind es 80 Euro.

Können Leistungen meiner Kfz-Versicherung gekürzt werden, wenn ich bei winterlichen Wetterverhältnissen mit Sommerreifen einen Unfall baue?
J.-C. von der Mark: Ihre Haftpflichtversicherung ist grundsätzlich eintrittspflichtig – auch wenn Sie mit Sommerreifen einen Unfall verursacht haben. Machen Sie selbst jedoch infolge eines Unfalls Schadenersatzansprüche geltend und wirkt sich die falsche Bereifung auf das Unfallgeschehen aus, kann ein Mithaftungseinwand erfolgen. Und bei der Kaskoversicherung müssen Sie unter Umständen mit einer Kürzung der Ansprüche rechnen, wenn das Fahren mit Sommerreifen als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt wird.

Ich habe immer noch die Faustregel „Winterreifen von Oktober bis Ostern“ im Kopf – ist diese mit der neuen gesetzlichen Regelung hinfällig?
Welf Stankowitz: Nein, wer in der kalten Jahreszeit sicher unterwegs sein will, sollte sich weiterhin an der „Oktober bis Ostern“-Regel orientieren. Denn bereits bei Temperaturen unter sieben Grad ist ein Winterreifen dem Sommerreifen überlegen – die Gummimischung von Sommerreifen verhärtet bei niedrigen Temperaturen, so dass der Reifen einen schlechteren Grip hat. Die spezielle Laufflächenmischung von Winterreifen bleibt dagegen auch bei niedrigen Temperaturen elastisch.

Und was ist für den Gesetzgeber ein Winterreifen?
J.-C. von der Mark: Ein Winterreifen ist laut Straßenverkehrsordnung (StVO) ein Reifen, der der „Richtlinie 92/23/EWG“ entspricht, zu erkennen an der Kennzeichnung M+S für „Matsch und Schnee“.

Wer vergibt eigentlich das M+S-Siegel?
Dipl.-Ing. Stefan Ehl: Das M+S-Siegel ist keine geschützte Kennzeichnung, ihm liegen keinerlei verbindliche Qualitätsstandards zugrunde. So tauchen immer wieder Reifen mit M+S-Kennzeichnung auf, die nicht wintertauglich sind – besonders bei Billigimporten. Als Reaktion auf die mangelnde Aussagekraft des M+S-Siegels hat die Reifenindustrie das Schneeflockensymbol eingeführt. Es wird nur an die Reifen vergeben, die in einem Test eine festgelegte Mindesttraktion auf Schnee und Eis erreichen.

Wie finde ich einen guten Winterreifen?
Jürgen Bartusch: Die Automobilclubs wie der ACE oder der ADAC testen jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst die neuen Reifenprofile und veröffentlichen die Testergebnisse. Ein entscheidendes Kriterium ist hierbei ein möglichst kurzer Bremsweg. Vor dem Reifenkauf sollten Sie sich diese Ergebnisse anschauen und Ihren Reifen nicht allein nach dem Preis auswählen. Im Reifenhandel und in Kfz-Werkstätten können Sie sich daneben kompetent beraten lassen, welcher Reifen zu Ihrem Auto und Ihren Bedürfnissen passt.

Genügt ein Ganzjahresreifen den neuen gesetzlichen Anforderungen?
Uwe Becker: Sofern er die M+S-Kennzeichnung trägt – ja. Unter Sicherheitsaspekten ist ein Ganzjahresreifen allerdings immer nur ein Kompromiss. Er ist nicht so wintertauglich wie ein echter Winterreifen und im Sommer müssen Sie mit einem höheren Abrieb und höherem Kraftstoffverbrauch rechnen. Er kann eine Lösung für Fahrer sein, die hauptsächlich in städtischen Gebieten im Flachland unterwegs sind.

Wie viel Profiltiefe sollte ein Winterreifen mindestens haben?
U. Becker: Alle Experten sind sich einig, dass ein Winterreifen eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern haben muss. Bei einer geringeren Profiltiefe verschwinden die für die Verzahnung mit dem Untergrund wichtigen Lamellen und der Reifen verliert seine wintertauglichen Eigenschaften. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern ist völlig unzureichend! Experten fordern deshalb eine Änderung der StVO.

Wie lange darf ich meine Winterreifen fahren?
J. Bartusch: Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Grundsätzlich sollten die Reifen bei Erreichen der empfohlenen Mindestprofiltiefe von vier Millimetern ausgetauscht werden. Daneben empfehlen wir aber allen Autofahrern, ihre Reifen ab dem sechsten Lebensjahr überprüfen und gegebenenfalls austauschen zu lassen – und zwar unabhängig von der Kilometerleistung oder dem Verschleißbild. Die Lauffläche eines Winterreifens kann in diesem Alter bereits so ausgehärtet sein, dass der Reifen einen verminderten Grip und damit eingeschränkte wintertaugliche Eigenschaften hat.

Schnell schlau zum Thema Winterreifen

www.reifenqualitaet.de

Die Initiative „Reifenqualität – Ich fahr auf Nummer sicher!“ des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), seiner Mitglieder und Partner informiert auf ihrer Webseite umfassend zum Thema Winterreifen.
Außerdem können sich Interessierte hier über den Zusammenhang von Qualität und Zustand der Reifen auf die Fahrsicherheit schlau machen, erfahren, was beim regelmäßigen Reifencheck zu beachten ist und wie sie vom Reifenkauf beim Fachmann profitieren können. Über eine Postleitzahlensuche lässt sich ein Experte für Winterreifen in der Nähe finden.

www.ace-online.de

Die großen Automobilclubs testen jedes Frühjahr und jeden Herbst die neuen Reifen und veröffentlichen die Testergebnisse im Internet. Über die Startseite des Auto Club Europa (ACE) gelangen Sie direkt zum aktuellen Produkt-Test „Premium-Winterreifen“.

Die Experten der Telefonaktion „Winterreifen“ im Überblick

  • Welf Stankowitz; Referatsleiter Fahrzeugtechnik, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR), Bonn
  • Dipl.-Verww. (FH) Uwe Becker; Verkehrssicherheitsexperte ACE Auto Club Europa (ACE), Sicherheitstrainer Pkw & Transporter des DVR, Köln
  • Dipl.-Ing. Stefan Ehl; Prüfingenieur der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V. (KÜS), Losheim am See
  • Jörg-Christian von der Mark; Jurist, Abteilung Kraftfahrtschaden, DEVK, Köln
  • Jürgen Bartusch; Techniker PIRELLI-Kundenservice, Breuberg/Odenwald


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