Kreisverkehre als sichere Alternative?

Verkehrssichere Knotenpunkte an Landstraßen

Prof. Dr.-Ing. Andreas Bark
(Fachhochschule Giessen-Friedberg)

Die Knotenpunkte an Landstraßen sind so zu gestalten, dass eine sichere Führung der durchfahrenden sowie der ein-/abbiegenden und querenden Verkehrsströme möglich ist. Zur Verknüpfung von zwei oder mehreren Straßen ist daher nicht jede Knotenpunktart geeignet. Randbedingungen, wie z. B. Verbindungsfunktion, Leistungsfähigkeit und Flächenverfügbarkeit, sind bei der Wahl der Knotenpunktart zu beachten.

Gemäß den künftigen Richtlinien für die Anlage von Landstraßen (RAL, Entwurf 03/2007) soll die Ausbildung der Knotenpunkte an Landstraßen entsprechend der Bedeutung der zu verknüpfenden Straßen erfolgen. Hierbei werden die baulichen Grundformen sowie die Betriebsformen unterschieden. Bauliche Grundformen sind planfreie, teilplanfreie und teilplangleiche Knotenpunkte, plangleiche Einmündungen bzw. Kreuzungen sowie Kreisverkehre. Bei den Betriebsformen wird in Vorfahrtregelung mit Verkehrszeichen und Vorfahrtregelung mit Lichtsignalanlage unterschieden.

Durch Kombination der baulichen Grundform mit der Betriebsform des Knotenpunktes ergibt sich die Knotenpunktart. Die Ausbildung der gewählten Knotenpunktart ist im Planungsprozess an die verkehrlichen Erfordernisse und die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Das neue Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren (FGSV, Ausgabe 2006) ergänzt die künftigen Richtlinien für die Anlage von Landstraßen (RAL) sowie die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06, FGSV, Ausgabe 2006) hinsichtlich der Einsatzkriterien und der Ausbildung von Kreisverkehren. Die Regelungen in den künftigen Entwurfsrichtlinien sind allerdings maßgebend, falls im konkreten Planungsfall die Ausführungen im Merkblatt von den Regelungen der Entwurfsrichtlinien abweichen.

Das Merkblatt unterscheidet vier Typen von Kreisverkehren, wobei der Minikreisverkehr nur innerhalb bebauter Gebiete zum Einsatz kommen soll. Die Regellösung für einen Kreisverkehr ist der Kleine Kreisverkehr mit einem Außendurchmesser von 35 – 45 m im Außerortsbereich (Regelwert nach Merkblatt). Kleine Kreisverkehre können bei Gesamtverkehrsstärken bis zu 15.000 Kfz/24h (Summe des zuführenden Verkehrs in allen Knotenpunktzufahrten) problemlos und mit geringen Wartezeiten betrieben werden. Bei größeren Verkehrsstärken sind die Verkehrsqualität zu prüfen und ein Leistungsfähigkeitsnachweis für alle Kreiszu- und -ausfahrten zu führen. Bei günstiger Verkehrsverteilung können bei Kleinen Kreisverkehren Verkehrsstärken von 25.000 Kfz/24h mit ausreichender Verkehrsqualität abgewickelt werden.

Zweistreifig befahrbare Kreisverkehre mit einstreifigen oder zweistreifigen Kreiszufahrten können zum Einsatz kommen, wenn die Kapazität von Kleinen Kreisverkehren nicht mehr ausreicht. Allerdings sollte der Einsatz von zweistreifig befahrbaren Kreisverkehren insbesondere aus Gründen der Verkehrssicherheit mit anderen Knotenpunktarten (z. B. Kreuzung mit Lichtsignalanlage) abgewogen werden. Insbesondere die Führung von regelmäßigem Fußgänger- und Radverkehr über zweistreifige Kreiszufahrten ist aus Sicht der Verkehrssicherheit kritisch zu bewerten.

Große Kreisverkehre mit zwei oder mehreren durch Markierung getrennten Fahrstreifen auf der Kreisfahrbahn stellen eine Sonderlösung dar; sie sollen daher nur mit Lichtsignalanlage betrieben werden.

Die Sicherheit von Knotenpunkten an Außerortsstraßen wurde vom damaligen Institut für Straßenverkehr (ISK) des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) untersucht. Hierbei wurden die Sicherheitsgrade von teilplanfreien, teilplangleichen sowie plangleichen Knotenpunkten ermittelt. Die Ergebnisse sind in den Mitteilungen Nr. 40 „Sicherheit von Landstraßen-Knotenpunkten“ (Januar 2002) des GDV veröffentlicht.

Die Zentralstelle für Verkehrssicherheit der Straßenbauverwaltung Bayern hat in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Deggendorf die Sicherheit von Kreisverkehren und Knotenpunkten mit Lichtsignalanlagen an ein- und zweibahnigen Außerortsstraßen untersucht. Ein Teil der Ergebnisse wurde in der Straßenverkehrstechnik, Heft 7/2006 veröffentlicht. Der Bericht der Zentralstelle für Verkehrssicherheit der Straßenbauverwaltung Bayern ist im Jahresbericht 2005 „Verkehrs- und Unfallgeschehen auf Straßen des überörtlichen Verkehrs in Bayern“ der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern erschienen.

Beide Untersuchungen zeigen, dass die Unfallkostenraten von Knotenpunkten von der baulichen Grundform und der Betriebsform abhängen. Bei den plangleichen Knotenpunkten hat der Kleine Kreisverkehr das höchste Sicherheitsniveau. Einmündungen und Kreuzungen mit und ohne Lichtsignalanlage haben wesentlich höhere Unfallkostenraten. An plangleichen Knotenpunkten sollten daher in Abhängigkeit von der Straßenkategorie bzw. Entwurfsklasse vorzugsweise Kreisverkehre oder Einmündungen und Kreuzungen mit Lichtsignalanlage zur Anwendung kommen.


Prof. Dr.-Ing. Andreas Bark
Fachhochschule Gießen-Friedberg
Fachbereich Bauwesen
Fachgebiet Straßenwesen und Vermessung
Wiesenstraße 14
D-35390 Gießen


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